KI wird uns mit Businesses überschwemmen. Aber wer soll den ganzen Mist kaufen?

Eine persönliche Betrachtung darüber, warum die nächste große Herausforderung nicht das Gründen, sondern das Verkaufen sein könnte. Ganz konkret – es kauft jetzt schon niemand mehr – naja, außer denen, die glauben, dass sie durch irgend einen Kurs lernen, wie sie selbst möglichst schnell reich und berühmt werden könnten.

Besonders spannend finde ich, dass ich täglich mehrfach Meldungen lese, dass man sich jetzt schon so sehr bemüht, dass jemand irgend etwas kauft – und wenn das nicht funktioniert, bemüht man sich immer mehr – statt einfach darüber nach zu denken, warum wer bei irgend einem Würstchen kaufen sollte, wenn dieses selbst offensichtlich erfolglos ist – weil sonst würde es nicht immer lauter schreien.

Doch schauen wir uns das Thema mal im Detail an

Je länger ich mich mit der Entwicklung rund um Künstliche Intelligenz beschäftige, desto weniger fasziniert mich mittlerweile die Frage, was KI alles kann. Die Antwort darauf kennen wir ohnehin schon ziemlich gut: Sie kann Texte schreiben, Bilder und Videos produzieren, Software entwickeln, Daten analysieren, Kundenanfragen beantworten, Marketingkampagnen vorbereiten und mittlerweile in vielen Bereichen Aufgaben übernehmen, für die vor wenigen Jahren noch ganze Teams notwendig waren. Was mich inzwischen viel mehr beschäftigt, ist eine andere Frage, über die wir meiner Meinung nach noch viel zu wenig sprechen: Was passiert eigentlich, wenn diese unglaubliche Fähigkeit zur Produktion auf eine Welt trifft, in der die Zahl der Menschen, ihre verfügbare Zeit und ihre Kaufkraft nicht im gleichen Maß wachsen?

Denn genau das könnte eines der großen Paradoxe der kommenden Jahre werden. Wir erleben gerade eine historische Senkung der Eintrittsbarrieren für Unternehmensgründungen. Noch nie war es so einfach, aus einer Idee ein konkretes Angebot zu machen. Eine Website, ein Logo, Texte, Präsentationen, Produktbeschreibungen, Social-Media-Inhalte, Werbekampagnen oder sogar eine funktionierende Software – vieles davon kann heute mit Unterstützung von KI innerhalb kürzester Zeit entstehen. Ein einzelner Mensch kann plötzlich Dinge auf die Beine stellen, für die früher mehrere Spezialisten notwendig gewesen wären. Ich halte das grundsätzlich für eine fantastische Entwicklung. Es bedeutet, dass Menschen Ideen umsetzen können, die vielleicht früher schon an fehlendem Kapital, fehlendem technischen Wissen oder schlicht an fehlenden Ressourcen gescheitert wären.

Aber genau an diesem Punkt beginnt für mich die eigentlich spannende Frage.

Wir werden wahrscheinlich kein Problem damit haben, Businesses zu gründen

Ich glaube nämlich, dass wir in Zukunft eher ein Überangebot an Businesses als einen Mangel daran erleben werden. Wenn die Kosten und der Aufwand für die Entwicklung eines neuen Produkts massiv sinken, verändert sich zwangsläufig auch unser Verhalten. Dinge, über die man früher monatelang nachdenken musste, weil die Umsetzung teuer war, lassen sich plötzlich einfach ausprobieren. Eine Idee kostet vielleicht nicht mehr zehntausende Euro und ein halbes Jahr Entwicklungszeit, sondern ein paar Wochen, einige KI-Tools und die eigene Arbeitszeit. Das wird dazu führen, dass sehr viel mehr ausprobiert wird. Und das ist zunächst einmal gut.

Nur darf man dabei einen entscheidenden Unterschied nicht vergessen: Ein Produkt zu produzieren ist nicht dasselbe wie ein Unternehmen aufzubauen.

Vielleicht ist genau das eine der größten Illusionen, die durch den aktuellen KI-Hype entsteht. Wenn etwas sehr einfach herzustellen ist, entsteht schnell der Eindruck, dass es auch einfach zu verkaufen sein müsste. Aber zwischen diesen beiden Dingen liegt ein gewaltiger Unterschied. Eine KI kann mir innerhalb weniger Minuten zehn Ideen für digitale Produkte liefern. Sie kann mir zu jeder dieser Ideen einen Namen, eine Positionierung, eine Website und eine Marketingstrategie entwickeln. Sie kann mir sogar helfen, das Produkt tatsächlich zu bauen. Aber sie kann nicht garantieren, dass am Ende jemand vor mir sitzt und sagt: „Das brauche ich. Dafür bin ich bereit, Geld auszugeben.“

Und genau dort beginnt die Realität eines Marktes.

Die Produktion wird billiger – aber die Aufmerksamkeit der Menschen nicht

Wir leben ohnehin schon in einer Welt, in der wir deutlich mehr Informationen, Inhalte und Angebote zur Verfügung haben, als wir jemals konsumieren könnten. Jeder von uns bekommt täglich Nachrichten, Videos, Werbung, Newsletter, Podcasts, Empfehlungen, Angebote und Benachrichtigungen. Schon heute ist unsere Aufmerksamkeit eine begrenzte Ressource. Wir können nicht zehnmal so viele Inhalte konsumieren, nur weil zehnmal so viele produziert werden.

KI wird dieses Verhältnis vermutlich noch einmal dramatisch verändern. Wenn die Produktion von Inhalten und digitalen Produkten nahezu beliebig skalierbar wird, wird es irgendwann nicht mehr besonders beeindruckend sein, dass jemand einen Blogartikel, ein Video, einen Onlinekurs oder eine Software erstellen kann. Es wird schlicht normal sein. Die Frage verschiebt sich damit zwangsläufig von „Kann ich das produzieren?“ zu „Warum sollte irgendjemand ausgerechnet meines davon beachten?“

Das halte ich für einen ganz entscheidenden Punkt.

Denn vielleicht erleben wir gerade den Beginn einer Zeit, in der nicht mehr die Produktion das eigentliche Problem ist, sondern die Auswahl. Wir werden nicht zu wenig Angebote haben. Wir werden zu viele haben. Und je mehr davon entstehen, desto stärker werden Menschen filtern müssen. Sie werden nicht mehr jedes neue Tool ausprobieren, jeden neuen Newsletter lesen und jeden neuen Onlinekurs kaufen. Sie werden Empfehlungen brauchen. Sie werden Marken brauchen, denen sie vertrauen. Sie werden Menschen folgen, deren Urteil sie schätzen. Und sie werden zunehmend Systeme und vielleicht irgendwann auch KI-Agenten einsetzen, die einen Teil dieser Auswahl für sie übernehmen.

Das bedeutet: Je einfacher es wird, etwas zu produzieren, desto wertvoller wird es, relevant zu sein.

Vielleicht wird „Vertrauen“ zur eigentlichen Währung

Ich glaube deshalb, dass wir uns bei der Diskussion über KI manchmal zu sehr auf die technischen Fähigkeiten konzentrieren. Natürlich ist es beeindruckend, wenn eine Maschine innerhalb von Sekunden einen überzeugenden Text oder ein funktionierendes Programm erzeugen kann. Aber aus Sicht eines Kunden ist die entscheidende Frage nicht unbedingt, wie das Produkt entstanden ist.

Der Kunde möchte wissen, ob es funktioniert.

Er möchte wissen, ob er dem Anbieter vertrauen kann. Ob das Versprechen eingehalten wird. Ob jemand auch dann erreichbar ist, wenn etwas nicht funktioniert. Ob der Anbieter sein Problem wirklich versteht. Ob die Lösung besser ist als die Alternative, die er bereits verwendet. Und manchmal kauft ein Kunde sogar dann bei einem bestimmten Anbieter, wenn es objektiv günstigere oder technisch vergleichbare Angebote gibt – einfach weil er die Person oder die Marke kennt und ihr vertraut.

Genau deshalb glaube ich nicht, dass die persönliche Marke in einer KI-Welt unwichtiger wird. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass das Gegenteil passiert.

Wenn wir irgendwann von allen Seiten mit perfekt formulierten Texten, professionellen Videos, schönen Websites und automatisierten Angeboten bombardiert werden, wird es schwieriger, zwischen all diesen Angeboten zu unterscheiden. Die technische Qualität allein wird dann immer weniger darüber entscheiden, wem wir unsere Aufmerksamkeit schenken.

Vielleicht wird es wieder wichtiger, wer hinter einem Angebot steht.

Welche Erfahrung hat diese Person? Welche Haltung vertritt sie? Hat sie tatsächlich etwas aufgebaut? Hat sie Fehler gemacht und daraus gelernt? Hat sie Kunden geholfen? Gibt es eine echte Geschichte hinter dem Unternehmen? Gibt es eine Community, die nicht nur aus gekauften Klicks besteht?

Das klingt zunächst fast ein wenig altmodisch. Aber vielleicht ist genau das die interessante Ironie der KI-Revolution: Je stärker Maschinen Inhalte und Produkte standardisieren können, desto wertvoller könnten die menschlichen Elemente werden, die sich nicht so einfach kopieren lassen.

Und dann kommt die unangenehme Frage nach der Kaufkraft

Für mich wird es an dieser Stelle noch grundsätzlicher.

Wir reden sehr viel darüber, dass KI die Produktivität steigern wird. Dass Unternehmen mit weniger Menschen mehr leisten können. Dass bestimmte Tätigkeiten automatisiert werden und dass dadurch neue Geschäftsmodelle entstehen. Das kann enorme wirtschaftliche Chancen eröffnen.

Aber gleichzeitig sollten wir uns fragen, was passiert, wenn ein immer größerer Teil der wirtschaftlichen Wertschöpfung mit immer weniger menschlicher Arbeitsleistung erzeugt werden kann.

Denn unser heutiges Wirtschaftssystem funktioniert vereinfacht gesagt nicht nur deshalb, weil Unternehmen Dinge produzieren können. Es funktioniert auch deshalb, weil Menschen Einkommen erzielen und dieses Einkommen wieder ausgeben. Menschen kaufen Wohnungen, Autos, Lebensmittel, Reisen, Dienstleistungen, Software, Unterhaltung und all die anderen Dinge, die Unternehmen anbieten.

Was passiert aber, wenn auf der einen Seite die Fähigkeit zur Produktion explodiert, während sich auf der anderen Seite Einkommen und Kaufkraft nicht entsprechend entwickeln?

Ich habe darauf keine einfache Antwort. Und ich halte es auch für unseriös, heute so zu tun, als könnten wir bereits genau wissen, wie sich diese Entwicklung über die nächsten zehn oder zwanzig Jahre auswirken wird. Dafür sind die Veränderungen zu komplex.

Aber die Frage wird meiner Meinung nach unausweichlich sein.

Wenn Maschinen und KI immer mehr produzieren können – wer verfügt dann über die Kaufkraft, um diese Produktion zu konsumieren?

Das ist für mich keine Randfrage der KI-Debatte. Das ist eine der zentralen wirtschaftlichen Fragen, die wir uns stellen müssen.

Vielleicht ist das Zeitalter des „Einfach mal machen“ gleichzeitig eine große Chance und eine große Falle

Was ich an der aktuellen Entwicklung besonders interessant finde: Die Demokratisierung der Unternehmensgründung ist grundsätzlich etwas sehr Positives. Menschen, die bisher keine Möglichkeit hatten, ein Unternehmen aufzubauen, bekommen plötzlich Werkzeuge in die Hand, mit denen sie sehr viel bewegen können.

Aber genau diese Einfachheit kann auch dazu führen, dass wir zu wenig über die eigentliche Idee nachdenken.

Wenn es teuer ist, ein Produkt zu entwickeln, stellt man sich automatisch viele Fragen. Wer braucht das? Was ist das Problem? Wie groß ist der Markt? Was unterscheidet uns von anderen? Warum sollte jemand dafür bezahlen?

Wenn die Entwicklung dagegen nur noch einen Bruchteil kostet, wird die Versuchung größer, diese Fragen einfach nach hinten zu schieben. Man kann es ja schnell ausprobieren.

Und natürlich ist Experimentieren wichtig. Ich würde niemandem empfehlen, monatelang einen perfekten Businessplan zu schreiben, bevor er den ersten Kunden kontaktiert. Im Gegenteil: Schnell testen, mit echten Menschen sprechen und aus dem Markt lernen, halte ich für viel sinnvoller.

Aber zwischen „schnell testen“ und „einfach irgendetwas bauen und hoffen, dass es jemand kauft“ liegt ein großer Unterschied.

KI kann uns nämlich sehr schnell zu einer funktionierenden Lösung bringen. Das kann sie aber auch für jeden anderen Menschen, der die gleichen Fragen stellt – sorry, die Prompts kennt.

Sie kann uns aber nicht die Nachfrage erzeugen.

Vielleicht wird deshalb die wichtigste unternehmerische Fähigkeit wieder eine sehr alte sein

Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass KI viele Dinge verändern wird – aber eine Sache nicht abschafft: das Verständnis für Menschen.

Ein Unternehmer muss verstehen, welches Problem jemand tatsächlich hat. Nicht welches Problem laut einer KI theoretisch existieren könnte, sondern welches Problem ein echter Mensch so relevant findet, dass er bereit ist, etwas dafür zu verändern oder Geld dafür auszugeben.

Das klingt fast banal. Vielleicht ist es das auch.

Aber gerade weil die technische Umsetzung immer einfacher wird, könnte diese Fähigkeit wieder wichtiger werden.

Wenn tausend Menschen mithilfe von KI ungefähr dasselbe Produkt bauen können, wird der entscheidende Unterschied nicht mehr unbedingt in der Technologie liegen. Er wird darin liegen, wer seine Kunden besser versteht, wer ihnen zuhört, wer eine bessere Erfahrung schafft und wer über längere Zeit Vertrauen aufbaut.

Das könnte auch bedeuten, dass wir in Zukunft sehr viele extrem kleine Unternehmen sehen werden. Eine Person, vielleicht unterstützt von mehreren KI-Agenten, kann möglicherweise ein Business betreiben, für das früher ein ganzes Team notwendig gewesen wäre. Sehr spezialisierte Angebote könnten wirtschaftlich interessant werden, weil die Kostenstruktur völlig anders aussieht.

Das finde ich persönlich ziemlich spannend.

Denn vielleicht brauchen wir gar nicht die nächste Generation von riesigen Unternehmen. Vielleicht bekommen wir eine riesige Anzahl kleiner, hochspezialisierter Unternehmen, die jeweils ein sehr konkretes Problem für eine relativ kleine Zielgruppe lösen.

Aber auch diese Unternehmen werden sich irgendwann derselben Frage stellen müssen:

Wer bezahlt dafür?

Wir sollten deshalb nicht nur lernen, schneller zu bauen

Wenn ich mir anschaue, wohin sich KI gerade entwickelt, glaube ich, dass wir in den nächsten Jahren noch sehr viel mehr Möglichkeiten bekommen werden, Unternehmen zu gründen. Die technische Hürde wird weiter sinken. Ideen werden schneller umgesetzt werden können. Prototypen werden innerhalb von Stunden statt Monaten entstehen. Marketing und Vertrieb werden in vielen Bereichen stärker automatisiert werden.

Und gerade deshalb glaube ich, dass wir eine Fähigkeit nicht verlieren dürfen: Nein zu einer Idee sagen zu können.

  • Nicht jede Idee muss umgesetzt werden, nur weil sie sich umsetzen lässt.
  • Nicht jede App braucht einen Markt.
  • Nicht jeder Onlinekurs braucht einen Käufer.
  • Nicht jede Dienstleistung muss automatisiert werden.

Und nicht jeder Mensch muss zum Unternehmer werden, nur weil KI das Gründen einfacher macht.

Vielleicht besteht unternehmerische Klugheit in Zukunft weniger darin, möglichst viele Dinge auf den Markt zu bringen, sondern darin, sehr früh zu erkennen, welche Dinge es wert sind, überhaupt gebaut zu werden.

Das ist für mich der eigentliche Paradigmenwechsel.

Wir gehen möglicherweise von einer Welt, in der Produktion knapp war, in eine Welt, in der Aufmerksamkeit, Vertrauen und echte Nachfrage knapp sind.

Und wenn das stimmt, dann verändert KI nicht nur unsere Werkzeuge.

Sie verändert die Spielregeln.

Am Ende entscheidet immer noch der Kunde

Ich finde deshalb die Frage „Was kann KI?“ mittlerweile fast weniger interessant als die Frage „Was ist Menschen etwas wert?“

Denn am Ende kann eine KI noch so beeindruckend sein. Sie kann mir in Sekunden ein Unternehmen konzipieren, ein Produkt entwickeln und eine Marketingkampagne erstellen. Sie kann mir zehn Varianten liefern und wahrscheinlich auch noch erklären, warum jede davon funktionieren müsste.

Aber irgendwo sitzt immer noch ein Mensch.

Ein Mensch mit begrenzter Zeit, begrenztem Geld, begrenzter Aufmerksamkeit und seinen ganz eigenen Bedürfnissen.

Dieser Mensch entscheidet letztlich, ob aus einem KI-generierten Angebot ein echtes Geschäft wird.

Und genau deshalb glaube ich, dass die kommenden Jahre für Unternehmer gleichzeitig eine unglaubliche Chance und eine ziemlich harte Auslese werden könnten. Noch nie wird es so einfach sein, etwas zu bauen. Aber genau deshalb könnte es gleichzeitig schwieriger werden, etwas zu bauen, das wirklich heraussticht und dauerhaft gekauft wird.

Vielleicht ist das also die eigentliche Frage der KI-Revolution:

Nicht, ob wir in Zukunft genug Unternehmen gründen können.

Das werden wir wahrscheinlich.

Sondern ob wir noch genug relevante Probleme lösen, für die Menschen bereit sind, ihr Geld auszugeben.

Denn KI kann das Angebot praktisch unbegrenzt machen.

Die Nachfrage bleibt menschlich.

Und genau deshalb würde ich heute nicht nur lernen, wie man mit KI schneller ein Business baut.

Ich würde mindestens genauso viel Zeit darauf verwenden, herauszufinden, was Menschen wirklich brauchen – und warum sie bereit sein werden, dafür zu bezahlen.

Bild KI generiert


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