LehrerInnen und/oder TrainerInnen?

Gleich vorweg – das ist keine offizielle Beschreibung der Unterschiede, die einen Unterschied machen – das sind meine ganz persönlichen UnterscheidungsMerkmale – ganz einfach deshalb, weil die Bandbreite an Menschen, die irgendwas unterrichtet – doch relativ groß ist.

Grundsätzlich gehe ich davon aus

  • LehrerInnen sind jene Menschen, die etwas studiert haben – oder irgendwo sonst gelernt haben – und dies seither unterrichten
  • TrainerInnen sind jene Menschen, bei denen es noch einen Zwischenschritt gibt/gab – sie haben das, was sie gelernt haben, alles selbst auch in der Praxis angewandt.

Dass es da Unterschiede gibt, weiß ich persönlich schon seit der Pflichtschule – wir hatten ein paar echt gute LehrerInnen, die ich der Kategorie TrainerInnen zuordnen würde – und dann gab es eben die LehrerInnen, die wir gsd nur immer in Nebenfächern hatten.

Zwei konkrete Beispiele aus meiner späteren beruflichen Laufbahn

MS Office

Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrtausends besuchte ich einige Kurse im WIFI NÖ – vorweg hatte ich mich mal mit Word – damals Version 2.0 – ich glaub, war sogar noch gar nicht für Windows – herum gespielt – und für die Feinheiten ging ich dann auf einen Fortgeschrittenen Kurs – und erfuhr dort dann – so ganz nebenbei – noch einige Grundlagen die ich nicht wusste.

Nachdem das echt toll war – und die Trainerin das auch voll gut erklären konnte – dachte ich, mach das auch mit Excel – und kam an einen Lehrer – noch dazu einen mit Scheuklappen.

Jetzt saß ich da im Excel für Fortgeschrittenen Kurs und musste mir anhören, dass man sich in Excel – ja, in Excel – einen Brief vorbereiten kann – für die DienstZettel der Angestellten – und dann mit Verknüpfungen eben Felder anlegen – und wenn ich die Personalnummer eingebe, füllt er mir die ganzen anderen benötigten Felder aus – und dann kann ich das ausdrucken – also jeden DienstZettel einzeln.

Ja – kann man, ich kann auch mit einer Gabel einen klare Gemüsesuppe schlürfen wollen – wird zwar ewig lange dauern – aber möglich wärs – irgendwie und irgendwann – zweckdienlicher wär ein Löffel – eh klar – oder?

Ich weiß nicht, wie ich drein geschaut habe – aber es fiel auf – und er fragte mich konkret, ob ich irgendwelche Einwände habe – ich so – „ja, schon!“ – vielleicht noch dazu geschrieben – ich war zuvor über ein Jahr im Operating eines Großrechners von IBM – in einer großen Papierfabrik – und ich hatte danach die Systembetreuung einer kleinen PhillipsAnlage über.

Sagen wir mal so – ich hatte in Summe schon einige Jahre grundsätzliche PC Erfahrung – hatte auch 1977 in Datenverarbeitung maturiert – wobei man das nicht wirklich mit PCs und deren Software vergleichen kann.

Und ich war ab 1981 auch immer in Büros und hatte mir da schon einiges an Office Management angeeignet. MS Office Software war zwar noch relativ neu für mich – aber nur die Handhabung der konkreten Programme von Microsoft.

Ich schaute also so, wie frau schaut, wenn sie sich vorstellt, dass sie jetzt für 2.000 + Mitarbeiter jeden Dienstzettel einzeln ausdruckt – nachdem sie vorher die entsprechende Personalnummer korrekt eingegeben hat.

Er daraufhin dann ätzend – „Und wie würden sie das machen?“ – und ich so – „mit nem Serienbrief in Word, den ich mit der ExcelDatenBank verbinde – dann fülle ich die Papierlade an – beginne den Druck – und hol mir nen Kaffee – zwischendurch Papier nachfüllen – das wars.“

Er war sichtlich genervt und fuhr fort – „Sie würden das also mit Word machen – können sie das auch – und können sie uns das zeigen?“ – ich – „Selbstverständlich“ – er – provokant und fordernd – „Und können sie uns das nach der Pause zeigen?“ – ich zögerte keine Sekunde – war mein tägliches Brot – „Ja, klar“.

Danach machten wir Pause – ich genoss meinen Kaffee – setzte mich dann wieder auf meinem Platz – als er ätzend nachlegen wollte – „Ich dachte, sie zeigen uns den Serienbrief“ – ich so – „ok“ – stand auf – und erklärte es – aus dem Stegreif – und so, das es alle verstanden – naja, zumindest die TeilnehmerInnen 😉

In diesem Moment hatte ich vergessen, dass ich vor Referaten in der Schule immer gestorben war – das war was ganz anderes – das war ein Thema, welches meine tägliche Arbeit war – das beherrschte ich im Schlaf – und konnte daher auch ungezwungen drüber reden.

Wobei ich zugebe, damals dachte ich noch nicht im Traum daran, mal Trainerin zu werden.

Dann kam Word 6.0 – mit dem damaligen internen DateiManager – und ich tigerte mich da eigentlich ganz von selbst rein – so „anders“ wars ja dann auch wieder nicht als der normale DateiManager, der dann zum Explorer mutierte.

Und dann kam der Umstieg von Excel irgendwas auf Excel 5.0 – ich gesteh, ich schaute nicht, wer der Lehrer sein würde – und ein paar Dinge konnte er mir ja erzählen, die ich noch nicht von Word kannte – aber mit dem DateiManager hatte ich zu dem Zeitpunkt schon ein halbes Jahr – tagtäglich – gearbeitet – und dann kam eine konkrete Frage dazu – und er stammelte rum.

Ich drehte mich um – achja – mein Blick dürfte noch aussagekräftiger gewesen sein wie damals beim Serienbrief – weil es kam sofort zischend – „Was haben sie jetzt wieder auszusetzen?“ Ich gestehe, ich hab ihm diese Frage beantwortet – und den TeilnehmerInnen ihre weiteren Fragen.

Kurze Zeit später – konkret im Sommer 1993 – rief mich die Trainerin von Word und noch einigen anderen Programmen, die ich mir bei ihr angeschaut hatte, an und fragte mich, ob ich schon mal überlegt hätte, Trainerin zu werden, weil sie hätte noch einen Platz frei bei ihrer Ausbildung – und wenn ich mitmache – und danach für sie arbeite – brauch ich jetzt nix zahlen- sondern sie würd dann zu Beginn einfach niedrigere Honorare auszahlen, bis es „abgearbeitet“ ist.

Dem Angebot konnte ich nicht widerstehen – vor allem auch in Hinblick auf meine Excel-Erfahrungen – wo ich zu dem Zeitpunkt dann schon dachte – „also blöder anstellen kann und werde ich mich auch nicht.“

Naja, war dann schon auch noch ne harte Schule – aber das ist eine andere Geschichte – worum es mir hier geht – die Trainerin von Word hatte auch ein eigenes SchulungsZentrum – machte Beratung für Firmen – die arbeitete tagtäglich mit den Programmen, die sie auch unterrichtete – die wusste, was sie tat – und der Herr Excel Lehrer war eben der volle Theoretiker, der irgendwas auswendig gelernt hatte – aber nie in der Praxis damit arbeitete.

Lebenslauf

Jahre später – nach der NLP Ausbildung – nach der Prüfung zur Lebens- und Sozialberaterin – sprang ich immer wieder mal für unterschiedliche SchulungsInstitute bei AMS-UmschulungsKursen in Bezug auf BerufsOrientierung und BewerbungsTrainings ein.

Naja, eigentlich unterrichtete ich das – neben dem ganzen Office Bereich – schon seit 1983 – für unterschiedlichste Institute in Wien & Niederösterreich & Burgenland – konkret von St. Pölten über Schwechat bis Neusiedl am See und Güssing – also wirklich querbeet.

Wobei einmal war ich auch einen Sommer lang für ein Wiener Institut tätig, die mich dann bis nach Tirol schickten – und Kärnten – und überhaupts – Hauptsache nicht in Wien, denen war ich zu ländlich – überall anders freuten sie sich über mich – weil gsd keine Wienerin 😉

2013 landete ich als Urlaubsvertretung wieder mal in Schwechat – für ein SchulungsInstitut, für das ich schon in Neunkirchen und Wiener Neustadt tätig war – dies der erste Einsatz in Schwechat – und der erste Tag – und die erste Gruppe – und ich bat sie, mir vorab mal ihre bisher erstellten Lebensläufe anschaue zu lassen, damit ich mir ein Bild von der Gruppe machen konnte.

Der erste gab mir seinen – und ich meine – „Woow toller Werdegang – aber ich würd die berufliche Karriere chronologisch absteigend empfehlen.“ – Er schaute mich mit großen Augen an und bat mich, das für alle zu wiederholen – was ich gerne tat – im Lebenslauf gehört der letzte Job ganz oben – und die älteren dann danach – also chronologisch absteigend.

Dann schauten mich alle so an wie er – und ich erklärte ihnen auch wieso – weil PersonalVerantwortliche jetzt weder Zeit noch Lust haben, da rum zu suchen, was der aktuellste Job war – und nachdem alle irgendwie aus dem Häuschen waren, fragte ich nach, was ich denn grad falsches gesagt hätte – oder warum sie grad so reagierten.

Und die Antwort war – von dem mit dem beeindruckenden Lebenslauf – er hatte ihn so, wie ich es sagte – weil er das aus jahrelanger Praxis nicht anders kannte – aber ihre „normale“ Lehrerin hatte darauf bestanden, dass sie die Reihenfolge umdrehen.

Ich hab die Klärung diese Themas auf die Zeit verschoben, wenn sie wieder zurück sei – weil ich vertrat grad sie – und danach ihre Kollegin – und als ich sie dann in einer Pause – unter 4 Augen – fragte, wie sie auf ihre Reihenfolge komme – meinte sie, das hätte sie so im Studium gelernt.

Es stellte sich dann auch raus – das hatte sie das schon vor Jahren abgeschlossen – und sie hatte noch nie selbst einen Lebenslauf geschrieben – oder sich irgendwo beworben – den Job hatte sie über Vermittlung aus dem Studium selbst bekommen – sie hatte also auch noch nie ein Bewerbungsgespräch geführt – unterrichtete also nur das, was sie irgendwann mal – in der Theorie – gelernt hatte.

Resümee

Ich glaub, du weißt, was ich meine, wenn ich LehrerInnen und TrainerInnen nicht nach dem unterscheide wie sie sich nennen – sondern, was sie wie unterrichten – war mir aktuell grad ein Bedürfnis, dass auch mal detailliert zu beschreiben – und passt auch zum gestrigen Beitrag:

Lehren und LehrerInnen und mein Kanal 44-26

und zu dem von übermorgen – Link folgt 😉


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